28.09.2006 - Automatiktüren in Ganzglasfassaden - Eine Herausforderung für den Metallbauer
Hagen. Die moderne Objektarchitektur wartet mit atemberaubenden Ganzglasfassaden auf, die selbst gewaltige Bauwerke schlank und elegant erscheinen lassen. Dabei reicht die Skala solcher Bauten von Verwaltungen über Hotels bis zu Sportstadien. Möglich wurden diese imposanten, lichtdurchfluteten Bauwerke durch die Entwicklung sehr schlanker und dennoch hoch belast-barer Aluminiumprofile sowie spezieller Gläser, hochwirksamer Dämmtechniken sowie großflächiger Beschattungseinrichtungen.Eine wichtige Rolle spielt auch die Türautomatik, die sich harmonisch in das filigrane Fassadenbild einfügen soll, zugleich einen zügigen Personenfluss sicherstellen und nicht zuletzt auch im Sinne einer wirksamen Energieeinsparung im Sommer wie im Winter eine klimatische Trennung herbeiführen muss.
Hierzu bieten sich die unterschiedlichen automatischen Türsysteme an, wie z.B. Karusselltüren, Rundschiebetüren oder Windfänge mit zwei Schiebetüren. Das Fassadendesign erhält dadurch eine zusätzliche Wertigkeit. Dabei hat der Fassadenbauer die Wahl, entweder eine komplette Türanlage aus industrieller Fertigung einzusetzen oder aus den verschiedenen benötigten Komponenten die Tür selbst zu konfigurieren.
Allerdings übernimmt er in diesem Fall die komplette Herstellerverantwortung mit der damit verbundenen Haftung.
Neue Norm schafft verbindliche Sicherheitskriterien
Bislang musste der Hersteller den Umfang der Sicherheitsmaßnahmen für automatische Türsysteme aus unterschiedlichen Normen und Richtlinien ableiten. Insbesondere zählten hierzu die berufsgenossenschaftliche Richtlinie BGR 232 (ehem. ZH1/494) und die Vornorm für automatische Türsysteme DIN V 18650.
Die entsprechende Berufsgenossenschaftliche Richtlinie BGR 232 (ehemals ZH 1/494) umfasst grundlegende Regeln für die Anforderungen an kraftbetätigte Fenster, Türen und Tore, ohne aber im Detail auf die spezifischen Anforderungen von automatischen Türanlagen eingehen zu können.
Da die nicht verbindliche Vornorm DIN V 18650 sich bereits speziell mit den Anforderungen von Automatiktüren auseinander setzte, bestand eine gute Grundlage für eine gültige Norm. Die heute verbindlich anzuwendende DIN 18650 wurde unter Beteiligung von Berufsgenossenschaft, Arbeitsministerium und Herstellern erarbeitet und genießt damit auch eine fachlich fundierte Akzeptanz in Deutschland.
Norm bringt Sicherheit
Wesentlicher Bestandteil der neuen DIN 18650 ist die Betrachtung von Gefahrstellen an automatischen Türen. Generell reicht jetzt eine Absicherung der Gefahrstellen durch Kraftbegrenzung als alleinige Maßnahme nicht mehr aus. So werden beispielsweise an Schiebetüren ?Quetschstellen?, die bisher durch eine statische Kraftbegrenzung von 150 N abgesichert wurden, nach der DIN 18650 zusätzlich durch überwachte Sensoren oder Schutzflügel vermieden. Kollisionen mit den bewegten Türflügeln im Durchgangsbereich werden durch Lichtvorhänge ausgeschlossen.
Bei Karusselltüren werden Quetsch‑ und Scherstellen durch mitfahrende oder statische, berührungslos wirkende Schutzeinrichtungen abgesichert.
Darüber hinaus verlangt die neue Norm veränderte Türsteuerungen, die gemäß der EN 954-1 einer höheren Kategorie entsprechen müssen.
Neu ist auch die Forderung nach einer lückenlosen Dokumentation der Planungsphase wie auch der praktischen Ausführung. Dazu gehören grundsätzlich die Gefahrenanalyse und das Inbetriebnahme-Protokoll.
Neue Norm seit dem 1.7. 2006 verbindlich
Die neue, im November 2005 veröffentlichte Norm ist ab dem 1.07.2006 verbindlich anzuwenden. Das heißt: Automatische Türanlagen, die nach diesem Datum in Betrieb genommen worden sind, müssen den Anforderungen der neuen Norm entsprechen. DIN-Vorschriften gelten in der Praxis als verbindlich, da es den allgemeinen Vorgaben der Landesbauordnungen entspricht, dass bei baulichen Anlagen und den zu verwendenden Bauprodukten die allgemein anerkannten Regeln der Technik und damit alle DIN-Vorschriften in der jeweils neuesten Fassung zu beachten sind.
Bedeutung für den ausführenden Metallbauer
Vielfach treten Metallbauer als planende und ausführende Firmen bei automatischen Türen auf, was nicht nur rechtliche sondern auch wirtschaftliche Konsequenzen für den Metallbauer haben kann. Deshalb muss jeder Planung von automatisierten Durchgängen eine umfassende Gefahrenanalyse, vorausgehen, die nicht nur die speziellen Erfordernisse des Objektes berücksichtigt sondern auch prüft, welcher Personenkreis die Türanlage passieren wird. So ist z.B. in Kaufhäusern und bei Flughäfen das gesamte Alterspektrum vom Kindesalter bis zu Senioren und auch genügend Durchgangsweite erfordernde Tüten und Gepäckstücke zu berücksichtigen. Bei Kliniken und Altenheimen ist zu beachten, dass geschwächte oder behinderte Personen unter Umständen bei einer Kollision mit der bewegten Tür zu Fall kommen können. Unter anderem ist auch zu prüfen, ob zwischen den bewegten Flügeln und angrenzenden festen Türbauteilen eventuell Quetsch-
oder Scherstellen entstehen können. Dabei sollte man auf keinen Fall Kinderhände vergessen.
Die zuverlässige Absicherung solcher ?Problemzonen? erfordert einigen technischen Aufwand und verursacht entsprechende Kosten. Deshalb ist die in der neuen Norm geforderte Dokumentation technischer Erfordernisse zur Abwehr von Gefahren auch eine wichtige Grundlage für die Preiskalkulation wie auch für die präzise spezifizierte Bestellung der Tür beim Lieferanten, zumal Nachrüstungen und spätere Änderungen teuer sind und ein auf den ersten Blick attraktives Objekt leicht zum Verlustgeschäft werden lassen. Auf jeden Fall lohnt sich eine enge Zusammenarbeit von Metallbauer und Tür- beziehungsweise Antriebshersteller, um vermeidbare Risiken möglichst von vorn herein auszuschalten. Die neue DIN 18650 liefert hierzu eine zuverlässige Basis!









